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Rede von Anja Spiegel zur SVV am 28.05.2009 zur Vergabe des Baumblütenfestes

Frau Vorsitzende. Herr Bürgermeister. Liebe Kolleginnen und Kollegen.

Jeder in diesem Raum weiß, welche enorme Bedeutung das Baumblütenfest für Werder hat. Eine Bedeutung, die sich nicht nur auf den direkten wirtschaftlichen Erfolg stützt, sondern auch und vor allem auf das Image einer gastfreundlichen Stadt. Ein Image, das auch im restlichen Jahr Besucher nach Werder lockt und Obstbauern, Gastwirten und Gewerbetreibenden Geld in die Kassen spült.

In den letzten Jahren hat dieses Image gelitten. Das liegt keineswegs daran, dass eine kleine Gruppe Inselbewohner sich ein Herz gefasst hat und auf Probleme aufmerksam gemacht hat. Nein, der Imageschaden ist entstanden, weil es diese Probleme gab und weil sie nicht schnell und aufmerksam behoben wurden. Stattdessen gärte über Jahre ein Klima, das dem einzelnen Besucher schon einmal die Schweißperlen auf die Stirn treiben konnte – und den Anwohnern die Zornesröte ins Gesicht.

Auch wenn es wieder lautstarken Protest geben wird: Es gab und gibt ehemalige Besucher des Baumblütenfestes, die nicht wiederkommen wollen, weil sie sich hier bedroht fühlten. Dass diese Bedrohung eine rein subjektive Einschätzung ist, dass dieses Fest viel sicherer ist, als man denkt und fühlt, das spielt für diese verlorenen Besucher keine Rolle. Und dieser Imageschaden ist viel größer als alles andere. Diese Besucher erzählen ihre Erlebnisse weiter. Daran kann sie niemand hindern.

Mit der Neuvergabe des Baumblütenfestes wäre jetzt aber die Möglichkeit, endlich schnell und passend zu handeln. Die Probleme zu beheben, die es ganz offensichtlich gibt. Ein neues Konzept zu nutzen, um das Image des Festes und der Stadt wieder aufzupolieren. Ein Signal auszusenden an Anwohner und Besucher: Seht her, wir haben verstanden. Wir tun was. Mehr wollen wir doch gar nicht. Weder soll das Fest von der Insel verschwinden noch soll hier nur noch geflüstert werden. Wer an einer Festmeile wohnt, hat Einschränkungen hinzunehmen, das ist in Köln, Mainz und Düsseldorf im Karneval nicht anders als in Werder. Was dort anders ist, ist der Ton, in dem Probleme diskutiert werden.

Vier Konzepte liegen uns vor. Über eines davon, da sind wir uns alle einig, müssen wir gar nicht weiter reden. Und auch ein zweites fällt aus unserer Sicht raus: Frau Nareyka hat zwar viele sehr schöne Ideen und die schriftliche Bewerbung ist auch nicht halb so überdreht, wie ihre Vorstellung hier wirkte. Aber eine 180-Grad-Wendung des Festes ist nicht von einem Jahr aufs andere möglich. Und vor allem braucht sie ein dazu passendes Marketing-Konzept, damit die alten Besucher auch wissen, dass sie nicht wiederkommen sollen, und die neue Zielgruppe erkennt, dass sie erwünscht ist. Ohne ein solches Konzept würde das neue Fest eher zu einer Gefahr werden, als die Gefahr bannen.

Damit bleiben aus unserer Sicht nur zwei ernst zunehmende Konkurrenten: Die Bietergemeinschaft Wohlthat/Horn und EPM. Diese zwei haben wir besonders genau unter die Lupe genommen. Allerdings, das muss ich sagen, hat uns das Bewertungssystem der Verwaltung dabei nicht weitergeholfen. Zu offensichtlich wird dort, dass nicht gewollt ist, dass jemand anderes als Wohlthat/Horn das Rennen macht. Lassen Sie mich das kurz begründen:

  • Wohlthat/Horn sind die einzigen, die über detaillierte Kenntnisse zu den vorhandenen technischen Begebenheiten in Werder verfügten. Das ist ihr Wissensvorsprung als bisheriger Ausrichter.
  • Obwohl es jahrelang Kritik an fehlenden Toiletten und überquellenden Mülleimern gegeben hat, werden keine Fragen nach den dann doch wohl zu gering eingeplanten Kosten hierfür gestellt.
  • Obwohl das Sicherheitskonzept beim vergangenen Mal eindrücklich bewiesen hat, dass es das Papier nicht wert war, auf dem es stand, wird hier kein Fragezeichen angemalt.
  • Nein, die Bietergemeinschaft erhält in beiden Fällen die Höchstpunktzahl. Sie erhält auch vier Punkte für Reinigung, Müllentsorgung und sanitäre Einrichtungen.
  • Und obwohl sich das Werbekonzept auf die Aussage beschränkt, die Pressearbeit mache die Stadt, erhält Wohlthat/Horn auch hierfür ganze vier Punkte. Warum eigentlich nicht gleich 5 Punkte, ist die Pressearbeit der Stadt so schlecht?

Das alles ist ein einziger Witz. Da will ich gar nicht mehr die Frage aufwerfen, ob bei EPM mal jemand gegengerechnet hat, ob die hohen Programmkosten vielleicht gar nicht so viel höher sind, wenn man die von Wohlthat/Horn auf die Unterpunkte Gema, Feuerwerk und Co aufgesplitteten Kostenansätze zusammen fasst. Ein bisschen mehr Einfallsreichtum hätte ich Ihnen schon zugetraut, Wohlthat/Horn als Sieger aus dem Rennen gehen zu lassen. So ist die Punktevergabe reine Willkür.

Ich habe schon gesagt, dass es für uns zwei ernstzunehmende Konkurrenten gibt: die Bietergemeinschaft und EPM. Ja, wird sind davon überzeugt, dass beide es können. Das beide über das Know-How und die finanziellen Voraussetzungen verfügen. Und ja, wir hätten uns sogar vorstellen können, der Bietergemeinschaft wieder den Zuschlag zu erteilen. Aber unter einer Bedingung: Sie hätte einfach nur aus den Problemen der Vorjahre lernen und sich ein klein wenig kooperativer zeigen müssen.

Stattdessen bekommen wir ein Konzept vorgelegt, dass sich nur minimal von dem unterscheidet, worüber die Stadtverordneten vor einigen Jahren schon einmal entschieden haben. Sie können es nebeneinander legen und Wort für Wort abgleichen. Im sicheren Wissen um den Sieg hat die Bietergemeinschaft ihr altes Konzept einfach neu eingereicht, lieblos und ohne jedes Engagement. Sie hat sich weder zu Toiletten noch zum Müll geäußert. Sie hat Sätze produziert, in die jeder alles hinein interpretieren kann. Und dann stellt sich Herr Wohlthat hier auch noch hin, und widerspricht seinem eigenen Konzept:

  • Kein Überraschungsgast mehr für den Baumblütenball obwohl es doch so im Konzept steht.
  • Aus der Zitat „Erweiterung und Anbindung des Rundlaufes zu den Werderwiesen“ wird eine Ruhezone gedeutet. Das hätte ich da nie draus gelesen.
  • Anregungen wie zum Abzug des Riesenrads auf der Insel – gegen das ich übrigens überhaupt nichts habe – oder zur Einrichtung einer Arbeitsgruppe stehen nicht im Konzept.
Was erwarten Sie jetzt von uns? Dass wir zu diesem Murks ja und Amen sagen. Dass alles so bleibt wie bisher? Ich verstehe einfach nicht, wie man so wenig lernwillig sein kann. Ein bisschen guter Wille hätte doch gereicht.

Und dann haben wir EPM. Ein Bewerber, von dem wir glauben, dass er sich gar nicht so sehr von der Bietergemeinschaft unterscheidet. Und ein Konzept, das auch Schwächen hat. Nein, wir wollen keine Hubschrauberrundflüge. Wir wollen eine Bismarckhöhe, die für alle offen ist. Und Enziandorf und japanische Kirschblüte sind als Gäste willkommen, aber nicht im Mittelpunkt. ABER. Und das ist das ganz große ABER, das EPM von der Bietergemeinschaft unterscheidet: EPM hat ausdrücklich ein offenes Konzept vorgelegt. EPM will ausdrücklich die Einwohner von Werder, die Stadtverordneten, die Vereine, die Obstbauern, die Anwohner einbeziehen und ein Festkomitee bilden. EPM erscheint mir nicht halb so beratungsresistent wie die Bietergemeinschaft. Was uns nicht passt, wäre schnell ersetzt. Welch himmelweiter Unterschied zum schwerfälligen Verhalten der Bietergemeinschaft.

Deshalb, ich betone, deshalb haben wir uns für EPM entschieden. Wir glauben, dass das Programmkonzept ebenso annehmbar ist wie das Finanzierungskonzept schlüssig ist. Wir empfinden das Sicherheitskonzept als durchdacht – hat EPM doch sogar einen Rettungswagen auf der Insel sowie ein Rettungsboot vorgesehen. Es ist keinen Deut schlechter als das der Bietergemeinschaft. Und warum die hohe Anzahl von Toiletten zu einer geringeren Punktwertung führt erschließt sich mir nun ebenso wenig wie das schlechter bewertete Werbekonzept, obwohl es doch mehr enthält.

Kurz: EPM und die Bietergemeinschaft stehen sich auf Augenhöhe gegenüber. Den Wimpernschlag macht die Offenheit des Konzeptes aus. Deshalb stimmen wir für EPM.