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Stellungnahme zur Errichtung eines Kletterwaldes

Die SPD/Die Grünen Fraktion hat sich im Hauptausschuss gegen “Die Planung und Errichtung eines Kletterwaldes im Stadtwald Werder (Havel)” ausgesprochen. Dieser Entscheidung lagen mehrere stichhaltige Überlegungen zu Grunde.

  • Wir wehren uns gegen die allgemeine Praxis des Bürgermeisters, Grundsatzbeschlüsse der Stadtverordneten -siehe Beschlusstext- einzufordern und einzuholen, ohne dass konkrete Zahlen, Fakten oder Details einer Konzeption bekannt sind. Diese Praxis hat sich schon seit Jahren eingebürgert (z.B. Schützenhaus, Bismarckhöhe) und findet nun auch mit dem Kletterwald eine Fortsetzung. Mit diesem Grundsatzbeschluss hat sich der Bürgermeister eine carte blanche durch die Stadtverordneten ausstellen lassen, obwohl noch keinerlei Einzelheiten zu dem Vorhaben in der Begründung mitgeteilt werden konnten. Die Begründung begnügt sich mit den Worten, dass durch einen Kletterwald die Attraktivität der Stadt für Gäste und Bürger steigt und eine sinnvolle und geordnete Nutzung des Stadtwaldes ermöglicht wird.
  • Dies ist eine Vorgehensweise, die wir seit Jahren kritisieren und nicht mittragen können.
  • Es ist auch nicht nachvollziehbar, warum dieser Grundsatzbeschluss durch den Hauptausschuss gefasst werden musste und keine Beratung in der SVV stattgefunden hat.
  • Wir hätten uns zunächst eine Grundsatzdiskussion über den Stadtwald als GANZES gewünscht, der dringend eine Aufwertung und Neukonzeptionierung erfahren sollte. Dort werden große Potentiale verschenkt. In diesem Rahmen wäre dann auch die Frage zu stellen gewesen, ob ein Kletterwald in eine solche Gesamtkonzeptionierung passt oder ob die Ausrichtung in eine andere Richtung gehen soll - weniger Action mehr Erholung. Zudem wird eine andere Nutzung der Goethe Freilichtbühne z.B. für Sommerkonzerte damit vollkommen unmöglich gemacht und vollendete Tatsachen geschaffen. Auch haben wir keinerlei Verständnis dafür, dass die Stadt bereits vorgeprescht ist und ohne Beschluss Gespräche mit einem konkreten Bewerber geführt hat. Damit hat der Bürgermeister bereits die Entscheidung vorweggenommen, wohl wissend, dass er die absolute CDU Mehrheit hinter sich hat.
  • Ferner stellt sich für uns die Frage, ob ein Kletterwald eine Bereicherung für das Angebot der Stadt sein kann. Auf den ersten Blick scheint dies so zu sein. Auch wir wünschen uns für die Jugendlichen der Stadt ein interessantes Angebot. Gerade für die Altergruppe, die den Kinderspielplätzen entwachsen ist, gibt es kaum attraktive Freizeitmöglichkeiten.
  • Es fragt sich aber, ob es in der Umgebung nicht bereits hinreichende Angebote dieser Art gibt. So kann man sowohl in Klaistow als auch in Potsdam bereits einen Klettergarten besuchen. Dass der hiesige Interessent seinen Klettergarten als “interessanter und spektakulärer” einstuft, kann man ihm nicht verdenken. Es ist aber kaum mehr, als eine subjektive Einschätzung. Ein neuer Klettergarten in Werder verbessert das Freizeitangebot daher aus unserer Sicht nur geringfügig, da in nächster Nähe bereits 2 Klettergärten bestehen.
  • Gerade im Hinblick auf diese Konkurrenzsituation, stellt sich für uns auch die Frage, ob eine realistische Chance gegeben ist, die geschätzte Besucherzahl von 150 Gästen täglich zu erreichen. Allein die Jugendlichen aus Werder werden nicht ausreichen, um eine kostendeckende Auslastung zu erzielen. Es müssen daher verstärkt auch Besucher aus dem Umland, Touristen und vor allem Schulklassen einbezogen werden.
  • Dies hat aber zur Folge, dass ein Großteil der Besucher am Wochenende mit dem PKW anreisen wird. In diesem Zusammenhang haben wir große Bedenken bezüglich der Verkehrsanbindung und der Parkplatzsituation. Der Elsebruchweg wurde nach langjährigen Bemühungen durch den angrenzenden Kindergarten Eichenhof zu einer Einbahnstraße. Er ist sehr schmal und hat keinen Fußweg. Dieser Weg wäre aber die einzige Zufahrt zum geplanten Kletterwald und dafür komplett ungeeignet. Ob Busse mit Schulklassen ihn überhaupt passieren könnten, ist sehr zweifelhaft. Auch ist gerade dort in unmittelbarer Nachbarschaft der Kita ein höheres Verkehrsaufkommen keinesfalls wünschenswert und gefährlich. Auch die Parkplatzsituation am zukünftigen Kletterwald ist unbefriedigend. Wenn am Wochenende von einem höheren Besucherstrom ausgegangen werden muss, fragt es sich, wo diese parken sollen. Die Freifläche am Weg zur Freilichtbühne fasst maximal 20 PKWs, dies dürfte kaum ausreichend sein. Zwar wurde durch den Bürgermeister zugesichert, dass keine Bäume gefällt und weitere Parkplätze geschaffen werden, sollte sich aber nach Inbetriebnahme herausstellen, dass die Parkmöglichkeiten nicht ausreichend sind, werden zwangsläufig neue Plätze geschaffen werden müssen.
  • Der Betreiber soll zudem die BMX-Anlage im alten Amphitheater mit übernehmen, unterhalten und betreiben. Aus unserer Sicht verschlechtert sich durch diese Maßnahme das Freizeitangebot für die Jugendlichen in Werder. Bisher konnte diese Anlage kostenfrei genutzt werden. Wird die Anlage übernommen, fallen dort zukünftig ebenfalls Kosten an.
  • Auch die Eintrittsgelder stimmen uns nachdenklich. Bei Eintrittsgeldern um 8 Euro für 2-3 Stunden werden die Jugendlichen den Kletterwald nicht häufig besuchen können. Vollkommen verfehlt ist hierzu die Antwort des Bürgermeisters, der in seiner unnachahmlichen Art dazu nur bemerkte “Für Bier haben sie ja auch genug Geld”.

Im Hinblick auf diese Vielzahl von Bedenken, können wir der Errichtung eines Kletterwaldes am vorgesehenen Platz derzeit nicht zustimmen. Wir halten diese Entscheidung für einen undurchdachten Schnellschuss. Es fehlen verlässliche Grundlagen und vor allem eine konkrete Konzeptionierung, die eine fundierte Entscheidung ermöglichen. Auch die Probleme der Verkehrsanbindung und Parkplatzsituation sind für uns evident.

Unter diesen Voraussetzungen ist ein Blankoscheck ohne Detailkenntnisse von uns nicht zu erhalten.